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Trends

Das Wort Mode hat bei historischen Kleidern zwei Bedeutungen. Es bezeichnet einerseits die generell übliche Kleidung und andererseits die Besonderheiten, die sich regelmäßig ändern. Diese Trends waren auch schon im 19. Jahrhundert flüchtiger Natur und wechselten schneller, als ein Mittelstandsgeldbeutel nachkommen kann.

Meine Angaben über Schnitte, Farben, Accessoires etc. stammen von Originalquellen oder glaubwürdigen Büchern unserer Tage. Und wie bei allen Trends zu allen Zeiten: sie sind nicht allzu ernst zu nehmen, denn nur weil jemand über sei schreibt heißt es noch lange nicht, daß es die Mehrheit auch 1:1 so macht...

 

1878 Winter Verschiedenes Bei Gesellschaftskleidern gerne viereckige Ausschnitte, Stoffe: Faille und Atlas oder Grosgrain und Atlas. Ein Modegag aus Paris: Balltaillen aus weißem Leder.

Verzierungen gerne aus sehr großen, frischen Blumen

Brauttoiletten bevorzugt aus weißem Atlas.

1878 Frühjahr Kleider Die Prinzeßform wird unmodern, statt dessen nehmen Schoßtaille und glatter Rock zu. Als Verzierung gerne vertikale Falten, d. h. Plissierung von Rock- und Taillenteilen. Neu und sehr modern ist die Kombination von 4 Farben (statt wie vorher 2) in einem Kleid.

Schnitt: Taillen bleiben lang, Tuniken flach und ungarniert, nur der Rock wird dekorativ geschmückt.

Sehr beliebt für junge Damen eine Toilette namens "rose moussue": moosgrüner, stark belegter Mousse-Stoff mit blaßrosa Garnierungen (Passepoil, Futter der Plissees, Schleifen an Taschen und Ärmeln). Auf dem Hut aus gleichem Stoff rosa Rosen.

Bei großem Diner oder Ball ein Trend aus Paris, sich an historischen Vorbildern zu orientieren und Kleider "im Stile der Montespan, Pompadour, Dubarry ..." etc. mit Brokaten, damaszierten Atlasstoffen und gemusterten Samten.

Zu Diner oder Soiree viel schwarze Seide mit Crepe oder Tüll überzogen, bei bunten Kleidern korallenrot aus allen Materialien.

Paletots werden nicht mehr Ton und Ton mit dem Kleid getragen, die Mode ist farbenfreudig, "Melange" ist das Stichwort.

Garnitur/
Accessoires
Hüte: Bei Visite und Matinee dominiert ein weißer Faillehut, ansonsten gerne helle Töne. Als Schmuck besonders modisch sind Teerosen, Heideblüten, Hyazinthen, dunkle Mohnblüten und Resedazweige.

Um die frischen Blumen an den Kleidern länger frisch zu halten soll man die Stile 12 Stunden vor Gebrauch in eine Salpeterlösung tauchen, sie wären danach dann nochmal 12 Stunden frisch. Keine Garantie für Kleid, Gesundheit und Blume ;-)

Besätze aus maschinenbesticktem Batist für einfache Haus- und Promenadenkleider bis hin zur Handstickerei für die elegantesten Roben. Bunte Seidenfransen, gedrehte Schnüre und Perlenbesätze. Ebenso Spitze, gerne schwarz, überhaupt alle Arten Spitze, auch gehäkelte. Weiterhin schwarzer Samt.

Fächer aus Maraboufedern, gefärbt in der Farbe des Kleides, mit Pfauenaugen dazwischen oder Fächer aus weißer oder schwarzer Straußenfeder.

1878 Frühsommer Kleider Als hätte man es schon geahnt: die Prinzeßform ist nach nur 3 Monaten modischer Randexistenz erneut unverzichtbar. Die Faltentaille sei etwas für die Jugend und für Gesellschaftstoiletten vollkommen ungeeignet.

Stofftrends sind musterlose wie Gaze, Crepe und Mozambique, als Verzierung bleibt die Stickerei.

Als Gesellschaftstoiletten für ältere Damen Moirees, deren Muster Arabequen und Blumen auf Streifen bilden. Ansonsten neben hellen, blendenden Farben bevorzugt Schwarz (Tüll und Spitze, Samt und Atlas, Faille und Velours frappé). Die modische Verzierung von schwarzen Kleidern sind die Vergoldung, bunte Blumen, großzügige Stickereien und blasse Wachsperlen.

Accessoires Handschuhe mit 5 Knöpfen mit Monogramm oder Malerei passend zum Kleid.

"Tyroler Strümpfe" mit andersfarbigem Einsatzteil oder - je nach Toilette - Seiden- oder Zwirnstrümpfe mit eingestrickten oder aufgedruckten Blumen.

Für die Reise ins Gebirge im Sommer ein klein zusammenlegbarer Bergwanderstock, der in die Tasche des Staubmantels paßt.

Die neuesten Schirme - auch in den  hellsten Farben - tragen vielfach Federbesatz in den gleichen Farben, z. B. cremefarbener oder weißer Moiree mit weißen Straußenfedern.

Für den Wagen winzige Equipagenschirme, die - wenn sie auch nicht wirklich vor Sonne schützen - zumindest den Fächer ersetzen.

1878 Sommer Kleider Die Stoffe werden weniger extravagant, bevorzugt werden einfache Stoffe wie z. B. blaßrosa uni-Batist in Kombination mit Streifen in blaßrosa und dunkleren Farben. Dabei sind der Rockvolant, das simulierte Ausschnittsteil sowie die Ärmel und der Besatz gestreift.

Sommerstoffe: Cretonne, Perkal, Zephyr etc. Motto der Stoffe ist "Mélange", also die Mischung unterschiedlicher Stoffe. Diese werden nach folgenden Regeln zusammengestellt: bei Seide und Wolle, uni und gemustert, dann wird die Seide bzw. der uni-Stoff stets unten getragen. "Keine Frau von Geschack wird Seide über Wolle legen und uni über gemustertes". Ebenso wird Gaze nur als Überkleid auf seidenem Unterkleid getragen.

Farben: Beliebt sind Pekings (ein Atlas mit 3/4 cm breiten Streifen in kontrastierenden Farben) in den Kombinationen Konrinthrot mit Dunkelbraun zu Modefarben, Blau und Olive zu Grau, Gelb und Braun zu mastic.

Muster: Neu im Kommen: das schottische Kostüm, bevorzugt bei Besätzen, aber auch mit schräg stehendem Karo im ganzen Kleid.

Die Polonaisenform, die fast den gesamten Rock bedeckt, kommt aus der Mode. Es werden nur noch kurze Polonaisen getragen oder die langen gerafft bzw. gleich abgeschnitten. Für diejenigen, die die lange Polonaise schätzen, wird der "imitierte Jupon" erfunden. Dazu wird eine robe à la princess aus Futterstoff hergestellt, bekleidet den unteren Teil stets einfarbig und /oder aus Seide und garniert den Rock. Der obere Teil des Kleides verdeckt dann den Ansatz.

Viel Federn-, Perlen- und Blumenschmuck an Hüten und Schirmen, Perlen sind auch bei Umhängen modern.

Ausdrücklich wird betont, daß es auch im Sommer nicht statthaft ist, ohne Umhang, also "in der Taille" zu gehen. Über Leinenkleidern werden Mullfichus getragen, bei jungen Mädchen auch für Foulards und anderen Toiletten. Daneben Fichus aus dem Stoff des Kleides oder schwarze crepe-de-chine-Mantelets mit sehr viel Spitze.

Dinner und Soiree: Weißer Wollstoff, als Garnitur helle Atlasblenden , Spitze und Blumen.

Kinderkleidung Bevorzugt weiß, auch Marineblau mit hellblauen Schleifen. Modische Mütter ("... ist sie im Stillen etwas eitel...") setzen ihren Kindern Capotehüte auf, dazu den passenden Schirm, schwarze Spitzenhandschuhe aus Chantilly und bunte Strümpfe zu ausgeschnittenen Schuhen.
Verschiedenes Es schleicht sich in die Mode etwas zurück, was Zeitgenossen noch immer Crinoline nennen, namentlich Stahlreifen, "der Schrecken aller vornehm schlanken Erscheinungen". Diese werden zuerst als Rockstütze nur im unteren Rockteil, an Bändern an einem Gürtel hängend, getragen.

Ein besonderes "bijou" der Weltausstellung: ein Sonnenschirm für 10.000 Francs, aus weißer Seide, mit weißer Alencon-Spitze bedeckt, Stock, Knopf und Ring aus Lapislazuli. Auch beliebt: Sonnenschirme mit Watteau´schen Schäfzerszenen, italienische Landschaften weiß auf schwarz oder schwarz auf weiß

1878 Herbst Verschiedenes Das Schwarzseidene, im allgemeinen als Staats- oder Aushilfstoilette angesehen und darauf angelegt, möglichst viele Saisons zu überdauern wird nur durch Veränderungen der Garnitur modernisiert, nicht durch welche im Schnitt. In dieser Saison kann das offizielle Schwarzseidene auch durch ein schwarzes Kleid aus cachemire-des-Indes ersetzt werden.

Eine neue Taillenform gibt es auch: Facon empire, mit kurzer Taille und Gürtel.

Ballkleidung der kommenden Saison wird die Prinzeßlinie nur noch in den Rückenteilen haben, die Vorderteile werden wie Corsage und Weste geschnitten sein.

Das kurze Kostüm (der fußlange Rock) wir zunehmend beliebter, nicht nur für Morgenausgänge und Promenaden im Regen, sondern auch für die Stadttoilette und die unformellen Besuchstoiletten.

Bei einfachen, dunklen Toiletten kommt den Besätzen besonderen Wichtigkeit zu. Bei grauem Kostüm Purpur oder Granat, auf Braun Schwarz oder Mattgelb, auf Bronze viel or, creme oder Granat, auf Blaßblau Hell- und Dunkelrosa.

Gebrauchte Seidenkleider, die für die Saison aufgearbeitet werden, sollen ausschließlich nur mit anderen Stoffen gleicher Farbe hergestellt werden, nie mit einer anderen Farbe. Das Tragen weißer Überkleider zu farbigen Röcken ist absolut unmöglich.

Schmuck Modeschmuck ist fast beliebter als echter. Besonders modern sind "mittelalterliche Gürtel" aus silbernem oder goldenem Gewebe mit künstlichem Schloß. Diese werden zu jeder Art Kostüm getragen.
Westen

 

Der modische Trend für den Herbst/Winter: die Weste.

Besonders beliebt dabei das "genre directoire" mit breiten Revers und großen Metallknöpfen. Allgemein gilt, daß die aus gestreiften Stoffe hergestellte Weste mit einfarbiger Taille, der gleichfalls einfarbige Rock eine gestreifte Draperie erhält und die Revers aus gestreiften Stoff aufgesetzt werden. Dazu eine Kravatte aus weißer Musselin mit sehr großer Schleife.

Die Weste wird vom Kleid trennbar gefertig und wird bereits gelegentlich genutzt, um das obligate schwarzseidene Kleid durch eine Weste aus bunter Seide oder Spitze zu erhöhen.

Farben Granat, Bronze, Grau und Marineblau
Stoffe Garnituren werden gemeinhin aus Atlas, Seide und Samt gemacht. Beliebt sind die "Herrenstoffe", ein dunkler Stoff mit kleinen, von dunkleren Streifen durchzogenen Karos, die so dunkel sind, daß aus einiger Entfernung Muster und Gewebe nicht zu unterscheiden sind. Ebenso Schottenkaros, vor allem in Myrthengrün
1881 Winter
Stoffe Hochmodern sind Stoffe mit eingewebten Metallfäden. Sehr distinguiert sind Gaze-Stoffe in Weiß, Rosa oder Gelb ohne Dessin mit sehr feinen Silberfäden durchzogen. Ein kräftiges Rot mit Kupferfäden für Brünette. Diese Modestoffe sind mit Preisen bis zu 2 Mark pro Meter sehr günstig.

Zu den einfachen Geweben zählt eine Halbseide mit einem hellen brochierten  Muster auf gedämpftem Fond. Dieser Stoff wird zu einfarbigen Wollstoffen als Garnitur verwendet.

Gerne auch karierte durchsichtige Stoffe zu einfarbigen Roben. Immer beliebt ein baumwollner Satin damassé, aus dem einfache Kleider gefertigt werden.

Zu schwarzen Robe immer schwarze Handschuhe, auch auf Bällen etc.

Fächer

 

Karierte, brochierte damaszierte Seidenstoffe, Federn aller Art: Strauß, Adler, Auerhahn sowie kleinere bunte, auf größere Hahnenfedern geklebte Federarten.

Besonders elegant ein dunkelgelber Schildpattfächer mit gelbgefärbten Adlerfedern und gleichfarbigen Quasten , ebenso runde Rokokofächer aus Straußenfedern mit Holzstil und Spiegel.

 Blumendeko Mattgetönte Plüschblumen mit Laub aus gleichem Stoff , große gelblich-weiße Wasserblumen mit dunklen Samtblättern, breiter Schilf aus Veloutine, auf dem sich Libellen aus bläulichem Perlmutter mit Simili-Brillanten schaukeln.

Große Trauben goldfarbener Beeren, zwischen braunem und olivefarbenem Laub montiert oder Blätter von velours frisé , mit starker Chenille eingefaßt  und mit silbernen Blüten zu Sträußen gebunden.

Fransenartige Girlanden mit hängenden Blüten oder Gräsern aus grün gefärbtem Fischbein zwischen den Draperien der Ballroben

Pelz Modefarbe ist Braun, Modepelze Otter, Seehund und Robbe oder bei kleinerem Geldbeutel Kaninchen, Hase oder Bisam. Sehr wertvoll ist der Kamtschatka-Biber, der im braunen Fell helle Haare hat. Findige Geschäftsleute nähen diese in das braune Fell des normalen Bibers ein.

Zu schwarzen Toiletten nur schwarze Pelze, Skunk, Luchs und Fuchs. Samtpelze mit Zobel, Nerz und Edelmarder sind vollkommen aus der Mode, diese Pelze werden nur noch von den Herren getragen Aus dem Rollsamt des Mantels werden dann Theatertaillen oder Fräcke im Stile Louis XV.

   

 

Natural form
1877 - 1882

 

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Allgemeines
Natural form

Nähtechnik

 

Accessoires